Für den Zwergflusskrebs ist das Wasser so wichtig wie für uns Menschen die Luft. Wir mögen unser zentrales Medium zum Leben und Gedeihen angenehm temperiert, mit Feuchtigkeitswerten zwischen 40 und 60 Prozent, schadstofffrei und windarm. Der Begriff Luftqualität beschreibt die Beschaffenheit von Luft bezogen auf den Anteil der darin enthaltenen Luftverunreinigungen.
Der Begriff Wasserqualität ist mindestens ebenso vielfältig. Hierzu zählen nicht nur mögliche Schadstoffbelastung und Temperatur. PH-Wert, Keimdichte oder auch die Verfügbarkeit bestimmter Micro- und Makronährstoffen haben einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden von Flora und Fauna.
Auch der Zwergflusskrebs als kleinster Vertreter seiner Art benötigt Wasser, das bestimmte Parameter aufweist, um sich wohlzufühlen, vital und gesund zu bleiben. Hierbei sei gesagt, dass die überwiegende Zahl an Cambarelli nicht besonders anspruchsvoll sind. Es gilt, sie mit Wasserwerten zufrieden zu stellen, die ihrem ursprünglichen Lebensraum zumindest in großen Teilen entsprechen, ihnen damit ein gesundes Wachstum zu ermöglichen. Denn die Wasserqualität spielt auch bei der Häutung eine maßgebliche Rolle.
Was brauchen Zwergflusskrebse also, um glücklich zu sein?
- Cambarellus diminutus: neutraler bis basischer PH-Wert (7 – 8), Gesamthärte GH mindestens 6 und höchstens 20, Karbonathärte unter 20, Temperatur um 21 Grad Celsius (20 – 25 °C)
- Cambarellus ninae: leicht saurer bis basischer PH-Wert (6,5 – 8), Gesamthärte GH mindestens 4 und bis höchstens 8, Karbonathärte unter 8, Temperatur um 20 bis 22 Grad Celsius (15 – 25 °C)
- Cambarellus patzcuarensis: neutraler bis basischer PH-Wert (7 – 9), Gesamthärte GH mindestens 4 und höchstens 20, Karbonathärte unter 20, Temperatur um 21 Grad Celsius (20 – 25 °C)
- Cambarellus puer: saurer bis basischer PH-Wert (6 – 8), Gesamthärte GH mindestens 4 und höchstens 20, Karbonathärte unter 20, Temperatur um 21 Grad Celsius (20 – 25 °C)
- Cambarellus schmitti: leicht saurer bis basischer PH-Wert (6,5 – 8), Gesamthärte GH mindestens 4 und bis höchstens 8, Karbonathärte unter 8, Temperatur um 20 bis 21 Grad Celsius (15 – 25 °C)
- Cambarellus sp. Hub: neutraler bis basischer PH-Wert (7 – 8), Gesamthärte GH mindestens 6 und höchstens 20, Karbonathärte unter 20, Temperatur um 20 bis 22 Grad Celsius (15 – 25 °C)
Die Zwergflusskrebs-Arten sind mit Einschränkungen leitungswassertauglich. Diesbezüglich sei jedoch gesagt, dass Trinkwasser aus der Leitung häufig nicht frei von Schadstoffen ist. Chlor zum Beispiel, Silikatrückstände, Schwermetalle wie Blei und Kupfer oder auch Pestizide aus der Landwirtschaft und Industrie sind Stoffe, die dem Krebs nachhaltig schaden. Es ist daher wichtig, bei Verwendung von Leitungswasser Vorsorge zu tragen:
- Es bietet sich an, die genauen Wasserwerte der Region, in der man lebt, beim Versorger direkt zu erfragen, auch den Einsatz von Chlor und anderen Stoffen im Wasser.
- Es hat sich als sehr hilfreich herausgestellt, bei Unsicherheit das eigene Trinkwasser aus der Leitung vor Gebrauch im Aquarium entsprechend zu filtern. Kleinanlagen mit mehrstufigem Filterkartuschenaufbau garantieren ein fortwährend sauberes, unproblematisch zu verwendendes Trinkwasser ohne den Krebs oder andere Aquarienbewohner gefährdende Bestandteile.
- Alternative Wasserquellen wie Osmosewasser, Destilliertes Wasser oder schadstofffreies Regenwasser können dabei zuträglich sein, die Wasserwerte entsprechend der Vorgaben anzugleichen.
Nur in gutem Wasser können Krebse erfolgreich gedeihen und fühlen sich sprichwörtlich pudelwohl. Um dies zu garantieren, erzeuge ich das Aquarienwasser für meine Becken ausschließlich über eine Osmoseanlage. Hier im Norden sind vor allem die Gesamt- und Karbonathärte so hoch, dass mir nichts anderes übrig blieb. Die Kosten halten sich in Grenzen. Ist das Filtersystem in Bezug auf das zu erwartende Wasservolumen sinnvoll gewählt, stellt sich schnell Routine ein.
Meine Aquarien
In den Krebsbecken – Clear Garden 60F Poolbecken in Weißglas mit Glasabdeckung – herrschen folgende Bedingungen:
- Beleuchtung 7 Stunden pro Tag
- Temperierung über Heizstab auf 22 Grad Celsius in allen Becken
- PH-Wert zwischen 7,0 und 7,3
- Gesamthärte zwischen 4 und 6 °dH
- Karbonathärte um 0 °dH
Dank des Einsatzes einer Osmoseanlage bin ich voller Hoffnung, dass das damit erzeugte Osmosewasser keine Schadstoffe aufweist. Dieses salze ich vor der Eingabe ins Becken entsprechend der Vorgaben auf. Zum Aufsalzen verwende ich das Produkt SaltyBee GH+ Premium. Dieses fügt dem Wasser keine Karbonathärte hinzu. Zwar ist das Produkt eher für die Caridina-Haltung denn für die Cambarellus-Haltung vorgesehen, die hervorragenden Wasserwerte sowie das vitale und gesundstrotzende Verhalten der Krebse zeigt, dass es ihnen auch bei diesen speziellen Parametern (vorrangig in Bezug auf Karbonathärte und niedrige Gesamthärte) wirklich gut geht.
Am Ende muss sich jeder Krebshalter selbst an die optimalen Wasserwerte seines Aquarienhabitats herantasten. Wichtig ist insbesondere hinsichtlich stark differierender Werte zwischen dem Zuchtwasser und dem neuen Zuhause, dass den Tieren ausreichend Zeit zur Akklimatisierung gegeben wird. Die Eingewöhnungsphase stellt neben dem Transport die stressigste Phase der ersten Tage oder Wochen für den Zwergflusskrebs dar.
Einmal nach ausreichend zeitlichem Spielraum und achtsamer Gewöhnung in das neue Aquarium eingesetzt, wird er sich schnell zurecht finden und alsbald sein Revier beziehen. Die Stunden zuvor, in denen er sich an die neuen Wasserwerte gewöhnen musste nach großen Strapazen während des Transports über einen oder gleich mehrere Tage, das Fangen aus seinem Interimszuhause, boten reichlich Stress und Momente der Belastung.
Nun gilt es, ihm die Eingewöhnung in sein neues Lebensumfeld so angenehm und frei von jeglichen Stressoren wie möglich zu gestalten. Hierbei helfen Zeit und Geduld.