Die Söll GmbH mit Sitz in Hof dürfte vorrangig Haltern von Fischen im Innen- und Außenbereich sowie Besitzern eines Pools oder Springbrunnens bekannt sein. Unter der Eigenmarke Organix werden Futtermittel für verschiedene Wirbellosenarten vertrieben, so auch mindestens eine Variante, die ebenfalls für Krebse geeignet scheint.
Das Alleinfuttermittel Söll Organix Super Kelp Tabs wird in 130ml-, 270ml-, 490ml- und 5000ml-Packungen vertrieben. Die Verpackung hält das darin befindliche Produkt sicher aufbewahrt und unter Verschluss. Ein luftdichter Abschluss durch einen Aromaverschluss liegt jedoch nicht vor. Nach dem Öffnen sollte das Futter – vor allem bei den beiden größeren Gebinden – daher innerhalb eines Kalenderjahres aufgebraucht werden. Die Informationen auf der Rückseite sind lesbar, informieren über das Grundsätzliche. Weitere Informationen erhält man auf der Website des Unternehmens unter folgendem Link: Söll Organix Super Kelp Tabs.
Dieses Futtermittel verwende ich nun seit einigen Tagen.
Nach dem Öffnen begegnet einem wie bei der Pellets-Alternative der Duft meeresfrischer Algen. Dies ist dem hohen Kelp-Anteil geschuldet, einer Alge, die im Meer bis zu einer Höhe von 45 Metern waldartig wächst. Das Produkt liegt in Tablettenform, also gepresst vor. Die Konsistenz ist als sehr hart zu bezeichnen. Durch die Größe der flachen Futtertabletten ist ein bedarfsgerechtes Portionieren mitunter schwierig. Bei Haltung mehrerer Tiere im Aquarium kann das Futtermittel als ganzes oder zerteilt in einzelne Stücke eingebracht werden, was es den Krebsen ermöglicht, einen Futterteil zu ergattern und sich zum Fressen zurück zu ziehen. Die Farbe ist als dunkelgrün zu beschreiben.
Söll bewirbt das Futter als natürlichen Ursprungs mit hohem pflanzlichem Anteil an frischem Kelp (Alge), gesund, für vorwiegend herbivore (großteils Pflanzliches fressend) Tiere geeignet, schnell absinkend, Spurenelemente enthaltend, verdauungs- und stoffwechselfördernd, vitaminreich, optimal abgestimmt in Bezug auf das Protein-Fett-Verhältnis für gutes Wachstum bei geringer Wasserbelastung.
Darin enthalten sind laut der Produktbeschreibung alle notwendigen Vitamine und Spurenelemente. Das Unternehmen verweist auf der Verpackung auf das MSC-Siegel. Auf der Website heißt es: „Von Natur aus besser – Organix® von Söll ist das erste Zierfischfutter mit MSC-Siegel in Europa. Das blaue Logo zeugt davon, dass in Organix® nur Meeresprodukte aus bestandserhaltender Fischerei enthalten sind.“
Wichtig: Söll verweist im Vergleich zur Pellet-Variante im Begleittext explizit auf am Boden lebende Tiere wie Garnelen, Krebse und Welse, also auch auf Krebstiere. Eine Empfehlung für die Verfütterung an Cambarelli wird zwar nicht ausgesprochen. Dennoch wird das Alleinfuttermittel generalisierend zur Ernährung für Krebstiere beworben.
Als Fütterungsempfehlung gibt Söll an, bei Fischhaltung solle man 1- bis 2-mal, bei Vorhandensein von Welsen und Jungtieren 3- bis 4-mal täglich so viel füttern, wie innerhalb weniger Minuten verzehrt werde.
Inhaltsstoffe: Ganzer Lachs, frischer Kelp (25%), ganze Shrimps, Weizenmehl, Weizenkeime, ganzer Hering.
Eigene Erfahrungen
Das Futter wird von Krebsen mitunter gerne genommen, jedoch nicht täglich. Es verbleiben teils verschmähte Reste auch bei achtsamer Fütterung im Becken. Verbleiben Rückstände, werden diese eher widerwillig gefressen. Wichtig bei der Betrachtung dieses Punktes ist, dass ich bei meiner täglichen Fütterung die Empfehlung seitens des Herstellers gerne befolgen würde. Die Tablettenform des Futters erschwert es jedoch erheblich auch bei grobem Zerteilen, nur so viel in das Aquarium zu geben, dass die gefütterte Menge von den vorhandenen Tieren in kurzer Zeit aufgenommen wird.
So ist nicht immer sichergestellt, das kaum bis kein Futter verschmäht und unverdaut zurückbleibt und dadurch das Aquarienwasser unnötig belastet.
Die Futtertabletten sind hart, durch ihre großen Abmaße von kleinen bis adulten Krebsen nur bei Zerteilen abtransportier- und in Ruhe vertilgbar. Aufgrund der Festigkeit des Produkts zerfallen selbst fallen gelassene oder nicht aufgenommene Bestandteile einer Tablette nicht. Das Aufquillverhalten nach einigen Stunden Wasserkontakt ist als gering zu bezeichnen. Trotz der durch Zerteilen ordentlichen Handhabbarkeit des Alleinfuttermittels ist unbedingt auf die zu verfütternde Menge zu achten. Lieber etwas weniger und bei Bedarf nachlegen.
Positiv zu erwähnen ist die Stabilität des Futters im Aquarienwasser. Das Futterannahmeverhalten durch die Aquarienbewohner stellte sich seit Fütterungsbeginn als mäßig heraus. Zwar greifen auch Garnelen gerne nach dem Futter. Trotz dessen mochte nicht jeder Krebs sofort oder ohne zeitlichen Vorlauf mit den Tabletten umgehen. Dies könnte an der harten Oberfläche liegen, die es den Tieren erschwert, mundgerechte Mengen aus der Tablette zu lösen. Bis dato zeigten sich angesichts des hohen Proteingehalts tierischen und pflanzlichen Ursprungs keine Häutungsprobleme bei Krebs und Garnele.
Die Garnele sei hier deshalb erwähnt, da sie in vielen Cambarellus-Becken den zumindest zweitwichtigsten Schützling darstellen dürfte. Bietet sich den schwimmenden Wirbellosen eine Nahrungsquelle, schrecken sie auch bei Aufschrift „Fischfutter“ auf der Umverpackung nicht davor zurück, sich an der Nahrungsquelle zu bedienen. Ein Haupt- oder Alleinfutter ist daher immer auch in Bezug auf die restlichen Aquarienbewohner zu betrachten, nicht nur im Hinblick auf die anvisierte Tierart.
Ich füttere das Alleinfuttermittel in Anbetracht des mäßigen Ansprechverhaltens der Krebse nicht täglich. Dies kommt dem Umstand zu Gute, dass meines Erachtens eine tägliche, hohe kombiniert pflanzlich-tierische Proteinverfügbarkeit bei Cambarelli nicht zwingend erforderlich oder empfehlenswert ist, möchte man den Tieren ein gesundes Wachstum ermöglichen. Krebse nehmen in freier Natur viel pflanzliche Nahrungsanteile auf. Proteinreiche Leckerbissen wie Aas oder erbeutetes Lebendfutter stehen gleichfalls auf dem Speiseplan, jedoch seltener.
Mein Fazit
Durch die feste Struktur in Tablettenform bedingt portionierbar durch Abbrechen kleinerer Stücke, nachvollziehbare Inhaltsstoffe, gute Verfügbarkeit im Handel, jedoch bei fast täglicher Fütterung nur bedingt gute Annahme durch die Aquarienbewohner. Die guten Inhaltsstoffe sprechen dennoch auf lange Sicht für das Produkt. Das Futtermittel muss aufgrund des primären Fokusses auf den Futteraufnahmemechanismus von Welsen seine Berechtigung im Cambarellus-Becken noch unter Beweis stellen. Ob das Futter somit in ein wohlsortiertes Sortiment an Hauptfuttermitteln und Zusatzprodukten gehört, wird sich zeigen.
Angesichts der Größe und Härte des Futtermittels sollte achtsam und vorausschauend gefüttert werden. Ein- bis zweimal wöchentlich schmeckt es den Krebsen und parallel auch den Garnelen in Teilen, verabreicht notwendige Mineralien, Vitamine und Co. An den Inhaltsstoffen besteht kein Zweifel für ein gesundes Wachstum. Abwechslung bei der Fütterung sowie ein Zurverfügungstellen weiterer pflanzlicher Futtermittel (Laub etc.) sind dennoch auch hier ratsam, ganz im Sinne der Wasserhygiene. Das Futtermittel ist angemessen bis günstig im Preis.