Die Zehnfußkrebse (Decapoda) bilden eine Ordnung innerhalb der Klasse der Höheren Krebse. Zu dieser Gruppe, bestehend aus ca. 15.000 Arten gehört auch der Cambarellus schmitti:
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Teilordnung: Großkrebse (Astacidea)
- Überfamilie: Flusskrebse (Astacoidea)
- Familie: Cambaridae
- Gattung: Zwergflusskrebse (Cambarellus)
- Unterart: Cambarellus (Pandicambarus) schmitti
Profil des Krebses
Der kleine Cambarellus schmitti ist ein zarter, umso attraktiverer Vertreter seiner Gattung. Adulte Tiere erreichen eine Körperlänge (ohne Scheren) von ca. 3 cm. Damit wird der schmitti nicht viel größer als sein naher Verwandter, der Cambarellus diminutus. Der in seiner Farbe kaum variable, wunderschön marmorierte Krebs ist von Natur aus äußerst friedfertig und versteckt sich gerne. Farbschläge von hell- bis dunkelbraun, teils ganz leicht beigefarben grünlich, sind bekannt.
Der Cambarellus schmitti stammt wie viele seiner Artgenossen aus den südlichen USA, ist vornehmlich im Bundesstaat Florida zuhause und siedelt dort vor allem in klaren Bächen und ihren Quellseen, aus denen das frische, weiche Grundwasser hervortritt. Der Sunshine-State-Bewohner zeigt auf seinem Körper neben Marmorierungen ab und an auch die üblichen Streifenmuster und ähnelt so optisch in weiterem Sinne dem deutlich größerer heranwachsenden Cambarellus sp. hub.
Schmitti stellt hauptsächlich in Bezug auf die Wasserwerte des Aquariums Ansprüche an seine Halter. Er mag weiches Wasser mit geringer Gesamthärte. Erfüllt man ihm diesen Wunsch, den er zum Wohlfühlen benötigt, stellen sich auch beim schmitti gewisse Grundansprüche, bei deren bedarfsgerechter Deckung sich der kleine Racker großer Vitalität und lebenslanger Schaffenskraft erfreut.
Ernährung
In Sachen Ernährung zeigt sich der schmitti gleichermaßen wenig wählerisch. Abwechslung auf dem Speiseplan kommt der Gesundheit aller Zwergflusskrebse zugute, so auch der des kleinsten Vertreters seiner Gattung. Neben Laub heimischer und ferner Gehölze und sonstiger pflanzlicher Kost (getrocknete Auszüge der Brennnessel, Zucchini, des Spinat, Kürbis oder auch Löwenzahn) usw. erfreut sich der Krebs an intervallischen proteinreichen Gaben.
Der Cambarellus schmitti benötigt zusätzlich zum auf seine Bedürfnisse optimierten Alleinfuttermittel für Zwergflusskrebse braunes Laub, das er fressen und unter dem er sich verstecken kann. Braunes Laub bietet bei der Ernährung viele Vorteile. Erstens gibt es wichtige Stoffe an das Wasser ab. Ganz nebenbei bietet es Platz und Raum für die Ansiedlung von Biofilm.
Geeignete Strauch- und Baumarten:
- Ahorn, Apfel, Birne, Birke, Buche, Eiche, Erle, Esche, Kirsche, Pflaume, Quitte, Seemandel, Walnuss etc.
- Brombeere, Himbeere, Johannisbeere, Stachelbeere etc.
Wichtig: Die verwendeten Blätter müssen bestimmte Eigenschaften aufweisen, um bedenkenlos gefüttert werden zu können:
- frei von Schad- und Giftstoffen (Feinstaub an stark befahrenen Straßen, Spritzmittel wie Fungizide, Herbizide, Insektizide, Pestizide etc.)
- Farbe Braun, im Herbst gesammelt wurden und aus einem Sammelgebiet
Die Qualität sowie der Zeitpunkt des Sammelns der Blätter sind entscheidend. Grüne Blätter eignen sich nicht. Auch frisches Obst und Gemüse sind nicht unbedingt geeignet, da hier Zucker und/oder Stärke enthalten sein könnten. Beides belastet das Aquarienwasser.
Verhalten
Vertreter des Cambarellus schmitti zeichnen sich nicht nur durch große Sanftmütigkeit aus. Sie sind aktive, teils etwas scheue Wesen, erklettern und erklimmen gerne ihre Umwelt und bringen sich so hin und wieder selbst in Lebensgefahr. Das für sie vorgesehene Aquarium sollte daher auch in Pool-Becken-Bauart oben geschlossen sein, sodass der kleine Krebs keine einzige Lücke vorfindet, durch die er Reißaus nehmen könnte.
Wird dieser evidente Ratschlag beherzigt, steht dem schmitti ein langes, bis zu 2-jähriges Leben bevor voller Entdeckungen, nach denen er sich gerne auch einmal versteckt. Es sollten daher ausreichend Verstecke bereitstehen. In diese zieht er sich immer wieder zwischendurch während seines tag- und nachtaktiven Treibens zufrieden nach seinen Erkundungen zurück. Insbesondere dann, wenn er eine kräftezehrende Häutung durchlebt hat und Schutz vor Artgenossen und sonstigen Aquarienbewohnern dringend benötigt, um sich von den Strapazen zu erholen.
Nachwuchs
Findet der Krebs ein passendes Gegenüber, so zögert er nicht lange mit der Paarung. Dabei geht nicht viel weniger wild zu als bei anderen Zwergflusskrebsen. Es wird gerungen und am Ende liegen beide Krebse mehrmalig am Tage der Fortpflanzung über mehrere Minuten aufeinander, bis die Eier des Weibchens befruchtet sind und das Männchen sie von dannen ziehen lässt. Das weibliche Tier trägt die befruchteten Eier über mehrere Wochen gut sortiert und stets gepflegt an der Unterseite des Hinterleibs mit sich herum, bis die kleinen Nachzöglinge schließlich aus ihren Eiern schlüpfen. Ca. 10 bis 20 Jungtiere erblicken bei solch einem Happening das Licht der Welt, verbleiben anschließend wenige weitere Tage gut behütet unter dem Rockzipfel des Muttertieres.
Erst dann, wenn sie groß genug sind, um auf eigene Abenteuerreisen zu gehen, wagen sie sich in die neue Welt voller Gefahren. Räuberisch verhalten sich die Heranwachsenden eher selten und dann nur untereinander. Viele gute und sorgsam positionierte Verstecke helfen auch den schmitti-Jungtieren, die für sie herausfordernde Phase der ersten Tage nach dem Schlupf mit mehrfacher täglicher Häutung zu überstehen und zu gesunden adulten Tieren heranzuwachsen. Zudem sollte sichergestellt sein, dass die kleinen Nachwuchs-Racker immer ausreichend Nahrung in Laufreichweite vorfinden.
Bedürfnisse
Generell gilt für alle Krebse, dass sie sauerstoffreiches Wasser bevorzugen. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass sie dieses benötigen. Ein Sprudelstein, ein Luftheber im HMF, der stetig neben gefiltertem Wasser reichlich Luft ins angenehm temperierte Nass befördert oder im Einzelfall ein Oxidator tragen dazu bei, die Umwelt des Aquariums den Krebsen lebensfreundlich zu gestalten. Bei aller Tierliebe sollte nicht vergessen werden, dass die Silbe Fluss im Namen Zwergflusskrebs tatsächlich darauf hinweist, dass insbesondere der Cambarellus schmitti ursprünglich aus Fließgewässern mit stetem Wasseraustausch stammt. Er braucht sauberes, weiches, sauerstoffreiches Wasser zum Überleben.
So agil und friedlich der kleine Vertreter der Gattung Cambarellus ist, so achtsam zeigt er sich gegenüber allem in Greifreichweite. Am Boden lebende Fische wie Welse können im seltenen Fall schon einmal gezwickt werden. Ob sie das vertragen oder nicht, hängt individuell vom jeweiligen Tier ab. Kranke und tote Tiere werden unter Umständen von ihm erbeutet. Schließlich gehört auch der schmitti zum Bodenpersonal des verlässlichen Aufräumtrupps seiner vielfältigen Heimat. Zu seinen Aufgaben in der Natur gehört es, pflanzliche wie tierische Überreste zu entsorgen. Der Krebs schreckt daher im Ausnahmefall auch vor Aas nicht zurück und hilft so, die Wasserwerte eines Gewässers stabil zu halten. Weiß man um diesen Umstand, so erhält man mit dem Cambarellus schmitti einen ruhigen und gut ausgeglichenen Zeitgenossen, der einem viel Freude bereiten wird.
Einrichtung
Auf seinen Streifzügen benötigt der Krebs definitiv Platz, auch wenn er etwas stärker ortsgebunden erscheint als andere Zwergkrebse. Eine Haltung im Nanobecken scheidet beim schmitti aus. Unter einer Grundfläche von 0,18 Quadratmetern (Becken mit Mindestgrundfläche 60 x 30 cm (Länge x Breite) sollte man auf das Einsetzen eines oder gar mehrerer Tiere im Sinne des Tierwohls verzichten. Wir wollen ja schließlich auch nicht in einer Kartonschachtel leben.
Als Unterschlupfe bieten sich zahlreiche Einrichtungsgegenstände an. Vor allem Pflanzen mag der Krebs als Rückzugsorte. Ob nun unter einer Wurzel, in einer Tonhöhle, Tonröhre, unter Laub oder inmitten einer kleinen Pflanzeninsel, die ihm Deckung bietet. Der schmitti weiß solche Bereiche in seinem Umfeld sehr zu schätzen und nimmt diese bereitwillig an. Revierpflege betreibt auch er, jedoch zeigte er sich bislang nur wenig territorial. Widersacher werden in aller Regel friedlich ferngehalten werden.
Pflanzen wie Javafarn, langsam wachsende, wenig Licht benötigende Anubias, Bucephalandras oder auch der Süßwassertang werden bereitwillig angenommen und im Regelfall nicht angerührt. Aber auch zwischen dichten bodennahen Gewächsen fühlt sich der Krebs wohl.
Fazit
Zusammengefasst ist der Cambarellus schmitti ein wirklich tolles Aquarientier und eine Bereicherung für jedes Becken, werden seine Grundbedürfnisse (geeignete Wasserwerte, ausreichend Verstecke und Platz zum Herumwuseln, artgerechte Ernährung, viel Sauerstoff, artige Mitbewohner) erfüllt. So ist der zarte Kleine als einer der hübschesten Vertreter der Cambarellus-Familie auch für zumindest etwas im Hobby erfahrene Aqurianer geeignet.
Hinweis
Wichtig: Exemplare des Cambarellus schmitti dürfen keinesfalls in hiesige Gewässer entlassen werden. Sie stellen nicht nur aufgrund der Tatsache eine große Gefahr für heimische Krebsarten dar, dass sie eine invasive Spezies bilden würden. Nord- und mittelamerikanische Krebse sind im Regelfall Überträger der Krebspest und würden hiesige Tierbestände, die sich vor dem Erreger nicht schützen könnten, vermutlich voll und ganz ausrotten.
Somit geht selbst von einem winzigen Nachzögling für unsere heimische Fauna bereits eine große Gefahr aus. Tiere, die nach Aufzucht nicht im eigenen Bestand verbleiben sollen, finden bei vertrauenswürdigen, verlässlichen Aquarianern anderer Haushalte sicher schnell ein neues und vor allem für alle Parteien sicheres Zuhause.